Sandra's
story

„Ich arbeite an dem was mir nicht an mir gefällt und liebe mich dabei auch im jetzigen Zustand, auch wenn ich das „Ziel“ noch nicht erreicht habe.“

Ich habe in New York Psychologie studiert und nebenher eine Make Up Ausbildung gemacht. Dort wurde ich knallhart damit konfrontiert, wie krass dort Schönheitsideale gepusht werden. In dieser Zeit habe mich nie gut oder schön genug gefunden. Das Thema Make Up hat mich aber trotzdem total interessiert, aber nicht mehr die kommerzielle Richtung, das war mir viel zu oberflächlich und inhaltslos. Für einen neuen, erfüllteren Lebensabschnitt bin ich dann zurück nach München gezogen. Dort habe ich meine Make Up Schule geleitet und private Make Up Coachings gemacht. Sehr extrem ist mir bei diesem Job aufgefallen, wie unsicher viele Frauen mit sich selbst sind. Ich schließe mich da nicht aus, denn ich kämpfte immer mit meinem Gewicht. Ich war früher sehr dünn, dann wieder weniger dünn, aber akzeptiert habe ich mich mit keiner Figur. Und dann habe ich recover your smile mitgegründet. Recover your smile ist ein gemeinnütziger Verein, der kostenlose Make Up Kurse und Fotoshootings für krebskranke Frauen organisiert.

Schmetterlingsmoment

Mit dem Start dieses Projektes, habe ich angefangen mich zu lieben wie ich bin. Die Zusammenarbeit mit den Frauen hat mich so inspiriert, da sie oftmals eine super positive, akzeptierende Einstellung sich selbst gegenüber haben. Das hat mir nahegebracht, was „Frausein“ wirklich ist und wie schön Individualität sein kann. Ich bin so endlich zu der Erkenntnis gekommen, dass mein Gewicht nichts mit der Liebe zu mir selbst zu tun hat. Gerade dann, wenn man sieht, wie grausam das Schicksal mit einem spielt, wird einem bewusst, wie dankbar man für seinen gesunden Körper sein sollte. Für mich ist Selbstliebe das bedingungslose Annehmen von sich selbst, 100% bei sich zu bleiben und von all dem Druck loszulassen. Ich arbeite an dem, was mir nicht an mir gefällt und liebe mich dabei auch im jetzigen Zustand, auch wenn ich das „Ziel“ noch nicht erreicht habe. Selbstliebe ist für mich auch die Dankbarkeit an meinen Körper, dass er mich durch das Leben bringt. 

Ein sehr prägender Moment in der Arbeit mit dem Verein recover your smile war, als ich wieder etwas mehr zugenommen habe und meine Brust dadurch sehr gewachsen ist. Da habe ich mir die ganze Zeit gedacht, dass ich die Brust irgendwie einschränken muss, dass man sie nicht so sehr sieht. Zu dieser Zeit war ich bei einem Shooting mit einem jungen Mädchen, das genetischen Brustkrebs hatte und sich gewünscht hat, vor ihrer Brustabnahme noch ein Shooting bei uns zu machen. Dabei kam es mir so falsch vor, dass andere Frauen alles dafür tun würden, ihre Brüste zu behalten und ich meinem gesunden Körper so negativ gegenüberstehe. Ich habe das Privileg, an diesen Punkten zu arbeiten, während die kranken Frauen gar keine Wahl haben. Wer lernt, dieses Privileg zu schätzen, ist auf der Reise zur Selbstliebe schon einen riesigen Schritt weitergekommen.

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